Standpunkt

KI in der technischen Redaktion

Was sie leistet, was sie nicht leistet — und wo die Verantwortung bleibt.

Ich arbeite mit KI-Werkzeugen. Nicht, weil es gerade alle tun, sondern weil sie an bestimmten Stellen Arbeit abnehmen, die niemandem Freude macht. An anderen Stellen können sie schaden.

Der Unterschied liegt in der Art der Aufgabe.

Wo KI hilft

Formulierungsvarianten. Wenn ein Satz nicht sitzt, ist ein Vorschlag von außen manchmal hilfreich — auch als Widerspruch.

Vorbereitung von Übersetzungen. Terminologie prüfen, Inkonsistenzen finden, Ausgangstexte übersetzungsfreundlich glätten.

Recherche. Den Einstieg in ein Normenumfeld finden, Fundstellen sammeln, Zusammenhänge sortieren.

Konsistenzprüfung. Wird dasselbe Bauteil im Dokument durchgängig gleich benannt? Stimmen Querverweise? Solche Prüfungen sind ermüdend und fehleranfällig — Maschinen sind darin besser als Menschen.

Aufbereitung von Bildmaterial. Fotos von Bedienpanels perspektivisch entzerren, freistellen, in saubere Illustrationen überführen. Das war früher Handarbeit über Stunden.


Wo KI nicht hilft

Sicherheitshinweise. Sie ergeben sich aus der Risikobeurteilung Ihrer konkreten Maschine. Kein Modell kennt Ihre Anlage. Was generisch klingt, klingt nur so — und hält im Ernstfall nicht stand.

Normkonformität. KI-Systeme geben Normen mitunter falsch wieder, nennen zurückgezogene Fassungen oder erfinden Fundstellen. Wer Normen zitiert, muss sie gelesen haben.

Die Maschine selbst. Wie sie tatsächlich gebaut ist, welche Option der Kunde bestellt hat, was der Monteur vor Ort geändert hat — das steht in keinem Trainingsdatensatz. Es steht in Ihren Unterlagen und im Kopf Ihrer Techniker.

Verantwortung. Wenn eine Anleitung fehlerhaft ist, haftet der Hersteller. Nicht das Werkzeug, mit dem sie geschrieben wurde.


Wie ich es halte

Ich setze KI dort ein, wo sie Zeit spart, und prüfe jedes Ergebnis. Was in Ihre Dokumentation eingeht, habe ich gelesen, verstanden und verantwortet. Normenangaben belege ich am Original. Sicherheitshinweise entstehen aus Ihrer Risikobeurteilung.

Wenn Sie Vorbehalte gegenüber KI-Werkzeugen haben — etwa wegen vertraulicher Konstruktionsunterlagen — sagen Sie es. Dann arbeite ich ohne. Ihre Daten gehören Ihnen, und Sie entscheiden, was mit ihnen geschieht.

Wohin die Entwicklung geht, weiß ich nicht. Ich beobachte sie aufmerksam und probiere aus, was sich anbietet. Versprechen mache ich darüber keine.